Amateurfunk hätte seinen Moment — die Szene verschläft ihn
Es gibt selten einen Moment, in dem ein altes Hobby genau in die Zeit passt, in der wir leben. Amateurfunk ist eigentlich gerade so ein Moment.
Dezentrale Kommunikation ohne Provider, Resilienz, wenn Mobilfunk ausfällt, Mesh-Netze, die ohne Cloud auskommen, Spektrumanalyse als Werkzeug, um zu verstehen, was eigentlich um uns herum durch die Luft fliegt. Privacy, digitale Souveränität, Off-Grid ... Es sind auch Themen, mit denen ein 25-Jähriger heute auf TikTok scrollt, im Discord debattiert, in Cybersecurity-Streams vorbeischaut und zu Maker-Konferenzen fährt.
Funk hätte gerade seinen Moment. Aber wenn man sich anschaut, wie sich die organisierte Amateurfunkszene im deutschsprachigen Raum nach außen darstellt — Magazine, Vereinsauftritte, Online-Foren, Veranstaltungen — wirkt sie wie aus einem anderen Jahrzehnt, ja Jahrhundert. Nicht in der Technik, die intern weiter ist als man vielleicht glauben mag, sondern in der Sprache, der Bildwelt und dem Mut, sich überhaupt mit Themen auseinanderzusetzen, die jenseits des Vereinsbulletins existieren.
Ich schreibe das nicht als Außenstehender oder gar Außenseiter, der über die Szene urteilt. Meine Klasse-1-Lizenz habe ich vor einigen Jahren gemacht. OE1TIM ist mein Callsign und Funk ist sozusagen ein Teil von mir, seit ich quasi das erste Mal eine Antenne aufgespannt habe. Genau deshalb fällt mir auf, was NICHT passiert.
Diagnose — die Schlagworte, um die es geht
Bevor ich ins Detail gehe, hier die Begriffe, an denen sich der Rest des Artikels aufhängt:
- Gatekeeping & Elitism — der Reflex, Neulinge erst durch ein langes Eintrittsritual zu schicken, bevor sie als ernsthaft gelten.
- OM(Old Men)-Arroganz / Old Guard mentality — die ungeschriebene Annahme, dass das Hobby den älteren Operatoren gehört und der Rest sich anzupassen hat.
- „That's Not Real Ham Radio" — der Standardsatz, mit dem alles abgewertet wird, was nicht analoger Sprechfunk ist: FT8, JS8Call, Remote Operating, Meshtastic, alles, was nach Maker-Szene aussieht.
- Generationen-Gap statt Generationen-Brücke — das Problem ist nicht das Alter der Szene, sondern dass kaum strukturiert versucht wird, die Lücke zu schließen.
- Zielgruppen-Blindheit — Magazine, Podcasts, Clubs sprechen Boomer und Gen X an, oft sogar gezielt, und wundern sich, dass keine Jüngeren kommen.
- Telegram-Echo-Kammer — der bevorzugte Messenger weiter Teile der OM-Szene, mit allen Folgen einer App, die auch Falschinfos strukturell begünstigt.
- Verschlossene Haltung gegenüber Maker- und Security-Kultur — HackRF, SIGINT, RF-Hacking finden außerhalb des Hobbys statt, obwohl sie Funk-DNA haben.
- Schweigen zu Privacy — als gäbe es die Debatte um Verschlüsselung, Souveränität und Selbstschutz im Hobby gar nicht.
Der Rest dieses Artikels packt diese Begriffe auseinander und zeigt, was sie konkret bedeuten — und was es bräuchte, damit das Hobby in fünf Jahren noch eine sichtbare Rolle spielt.
1. Was 2026 für Funk spricht — und zu wenige die es besetzen
Es gibt nicht zu wenig Stoff für eine lebendige Szene. Es gibt zu wenig Leute, die ihn aufgreifen.
Meshtastic ist das offensichtlichste Beispiel. Ein LoRa-Mesh-Protokoll, das auf billiger Hardware läuft (T-Beam, Heltec V3 — 30 bis 50 Euro pro Knoten), Texte und Positionsdaten verschickt, völlig ohne Mobilfunk oder Internet. Outdoor-Crews, Festivalpublikum, Aktivist:innen und Maker bauen Netze über halbe Städte. Das ist Funk pur. Das ist eigentlich Amateurfunk-DNA. Und die organisierte Funkszene hat zu großen Teilen verschlafen, sich diesen Boom als das eigene Thema zu reklamieren — er findet jetzt großteils unter der Flagge der Maker-Community statt, nicht unter der jenes Hobbys, dem er eigentlich zugehören sollte.
HackRF One, RTL-SDR, SDRplay-Empfänger, Sophia-Scanner und Aaronia-Spektranalysatoren — moderne Software-Defined Radios sind in einer Preisklasse zwischen 30 und ein paar hundert Euro angekommen. Was vor zwanzig Jahren ein Profi-Spektrumanalysator für 15.000 Euro war, ist heute ein USB-Stick im Rucksack. Damit hört man Flugfunk, AIS, ADS-B, Wettersatelliten, Pager-Protokolle, Satelliten und im offensiven Kontext alles, was Garagentore, Reifensensoren oder einfache IoT-Geräte über die Luft schicken.
Cybersecurity, OSINT, SIGINT sind die Begriffe, unter denen Hardware- und Funk-Hacking heute öffentlich verhandelt werden. Auf YouTube, auf Hackaday, auf media.ccc.de, in Discord-Communities mit fünfstelligen Mitgliederzahlen. Die jungen Leute, die diese Inhalte konsumieren, sind die natürliche Zielgruppe für ein modernes Funkhobby. Sie kommen aber nicht zur Funkszene, weil die Funkszene sie nicht abholt.
Dazu der politische Kontext: digitale Souveränität, Resilienz, Off-Grid — drei Begriffe, die durch Pandemie, Energiekrise und Krieg in Europa neu geladen wurden. Wer offline kommunizieren kann, wenn Glasfaser und 5G ausfallen, hat ein Argument, das vor zehn Jahren noch nach Prepper klang und heute nach erwachsener Vorsorge. Notfunkübungen werden im Amateurfunk zwar regelmäßig abgehalten, aber allein der 'Draht' nach außen wird dabei in keiner Weise kultiviert.
Das alles ist da. Es liegt offen. Es muss niemand erfinden.
2. Was die Szene daraus macht
Die meisten Print-Magazine im DACH-Raum sehen aus und lesen sich, als wäre das letzte größere Layout-Update um die Jahrtausendwende erfolgt. Die Themenmischung erinnert an einen Vereinsabend: lange Antennenbauberichte, Selbstbau-Projekte mit Röhrentechnik, Conteste, Field-Day-Reports. Nichts davon ist falsch — Vieles ist sogar fachlich exzellent. Aber der Tonfall ist der eines geschlossenen Zirkels, der an sich selbst schreibt. Es gibt selten einen narrativen Bogen, selten Storytelling, selten den Versuch, jemandem zuzurufen, der noch nicht drin ist.
Online ist es noch deutlicher. Die etablierten Verbände betreiben Webseiten und Foren, die in Optik, Navigation und Frequenz der Beiträge irgendwo zwischen 2008 und 2014 hängengeblieben sind. Die Maker-Szene macht parallel das, was eigentlich Funkstoff wäre — nur eben unter „Maker" und nicht unter „Amateurfunk". Sterling Mann (N0SSC), selbst Millennial, hat das einmal so zusammengefasst: Amateurfunk verhalte sich zur Boomer- und Gen-X-Generation wie IoT zur Millennial-Generation. Der Satz beschreibt das Kernproblem. Zwei Generationen mit fundamental unterschiedlichen technischen Reflexen sehen sich an, ohne sich zu erkennen.
Dazu kommt der Reflex, der jede Diskussion zuverlässig abbügelt: „That's Not Real Ham Radio". Anwendbar auf praktisch alles, was nach 1995 entstanden ist — FT8, Remote Operating, internetgestützte Repeater, digitale Mode-Ketten, Mesh-Funk. Wer in den klassischen Foren mit so etwas auftaucht, weiß im Vorhinein, was er an Antworten bekommt. Das ist kein technisches Argument, das ist ein kulturelles Bollwerk. Bob Witte (K0NR) hat es einmal so ausgedrückt: Die alte Garde beklagt, dass die Jungen nicht kommen, lehnt aber gleichzeitig genau die Internet- und Digital-Brücken ab, die diese Jungen anziehen würden. Das Paradox ist sichtbar — und niemand löst es auf.
Der Jargon tut sein Übriges. Wer zum ersten Mal in eine Funk-Forenkonversation stolpert, liest Abkürzungen, Q-Codes, Rufzeichen-Endungen und Insider-Verweise, die ohne fünf Jahre Vorerfahrung schlicht nicht zugänglich sind. Das ist in der Maker-Szene oder im Pentest-Bereich zwar nicht anders — die Codes sind genauso dicht. Aber der Unterschied ist, dort baut jemand coole Tutorials, schreibt echte Erklärungen (nicht welche, wo man hinterher noch weniger versteht und an sich zweifelt), produziert Onboarding-Videos, die das Hobby aufschließbar machen. In der Funkszene überlässt man das den wenigen Einzelpersonen, die das nebenbei stemmen, die oft aber an der einfachen, nachvollziehbaren Aufbereitung des komplexen Themas scheitern.
Und es fehlt der Mut, die Bandbreite des Hobbys auch dort zu zeigen, wo es spannend wird. Scannertechnik, Ethical Hacking auf Funkprotokollen, SIGINT, RF-OSINT, Replay-Analyse von Consumer-Geräten — Themen, mit denen der CCC und ein guter Teil der internationalen Security-Szene seit Jahren arbeiten. In den Mainstream-Funkpublikationen tauchen sie kaum auf. Als wäre HackRF ein anderes Hobby. Als gäbe es eine unausgesprochene Regel, dass Funk bei FT8 und Field Day bleibt und alles, was nach 'Offensive' klingt, anderen überlassen wird.
3. Telegram-Kanäle und die seltsame Politisierung des Bands
Ein Punkt, der in jeder ehrlichen Beschreibung der Szene gehört, aber selten ausgesprochen wird: weite Teile der OM-Community kommunizieren heute primär über Telegram. Nicht über Signal, nicht über Matrix, nicht über offene Foren, sondern über eine App, deren Moderation, Quellenkontrolle und Kanalstruktur seit Jahren als bedenklich gelten und die als bevorzugtes Verteilnetz für Falschinformation und politische Propaganda eine eigene Reputation hat.
Das ist nicht nur eine Frage des Werkzeugs. Es ist eine Frage dessen, was über das Werkzeug in die Funkrunden zurückspielt. Wer eine Weile auf 80 Metern hört oder in lokale OV-Runden hineinhört, wird Themen begegnen, die in dieser Form vor zehn Jahren undenkbar gewesen wären — pseudo-medizinische Theorien, geopolitische Verschwörungsfragmente, Inhalte, die deutlich als Echo aus dubiosen Telegram-Kanälen erkennbar sind. Das hat nichts mit Funk zu tun und verzerrt das Bild des Hobbys nach außen erheblich. Wer als Außenstehender zufällig auf solche QSOs stößt, kommt nicht zurück, sofern er noch halbwegs klar denkt.
Das ist auch keine Lappalie für ein technisches Hobby. Eine Community, die sich nicht klar dazu verhält, woher ihre Quellen kommen, verliert ihre eigene technische Glaubwürdigkeit gleich mit. Es passt unangenehm gut zusammen: dieselbe Szene, die sich neuen Werkzeugen wie Mesh, SDR und kryptografischen Verfahren verweigert, lässt sich von einer App füttern, die strukturell das Gegenteil von Quellentransparenz ist.
Hier wäre eine offene, technikkritische Debatte längst überfällig — innerhalb der Vereine, in den Magazinen, in den Online-Auftritten. Welche Kanäle nutzen wir, welche Quellen lassen wir gelten, was hat im Hobby Platz und was nicht? Die Selbstreinigungskräfte einer Community sind kein Tabu, sie sind Hygiene. Funk hat sie historisch immer gehabt. Sie sind nur gerade erschlafft.
4. Privacy — das Thema, vor dem die Szene zurückzuckt
Wir leben in einer Zeit, in der Privacy nicht mehr ein Nischeninteresse ist, sondern eine Notwendigkeit. Datenleaks, Tracking, biometrische Erfassung, KI-gestützte Identifikation aus öffentlichen Quellen — das sind keine Cybersecurity-Konferenz-Themen mehr, das ist Alltag jeder Familie mit einem Smartphone. Verschlüsselung, sichere Schlüsselverwaltung, Authentifizierung ohne zentrale Instanz — diese Felder werden in den nächsten zehn Jahren bestimmen, wer sicher kommuniziert und wer transparent in alle Richtungen sendet.
Im Amateurfunk ist Verschlüsselung im regulären Betrieb verboten. Das ist regulatorisch klar und historisch begründet: Funkamateur-Bänder sind ein gemeinsam genutztes, transparent abhörbares Spektrum, in dem Klartext zur Verständigungsfähigkeit gehört. So weit unstrittig. Was daraus aber nicht folgt: dass das Hobby zum Thema schweigt.
Das genaue Gegenteil müsste der Fall sein. Es gibt einen ganzen Bereich, der seit Jahrzehnten genau für solche Fragen existiert — den Experimentalfunk. Hier dürfen Verfahren erprobt, Protokolle gebaut, neue Modulationen getestet werden, lange bevor sie operativ werden. Genau hier wäre der natürliche Ort, um Verschlüsselung und Authentifizierung als wissenschaftliches Thema offen zu untersuchen: Schlüsselaustausch über Funk, kryptografische Signatur von QSL-Bestätigungen, post-quantum-fähige Funkprotokolle, Forward Secrecy in Mesh-Netzen, Vorstudien für die Regulierungsdebatte der nächsten zehn Jahre. „Wir dürfen es im Regelbetrieb nicht senden" ist kein Argument gegen das Forschen — es ist das stärkste Argument dafür, es genau hier zu tun, im einzigen experimentellen Spielraum, den der Hobbygesetzgeber explizit eingeräumt hat.
Stattdessen passiert in den Mainstream-Funkpublikationen praktisch nichts. Verschlüsselung wird, wenn überhaupt, im Kontext von „darf man nicht" abgehandelt, statt im Kontext von „daran müssen wir arbeiten, damit wir morgen mitreden können". Mehr noch: Wen man danach in Runden oder Foren fragt - digitale Funkgeräte verfügen ja teilweise über dementsprechende Funktionen - dann wird man mitunter 'gebannt'. Das ist eine verpasste Chance — strategisch wie inhaltlich. Wenn in zehn Jahren über Funk-Spektrum, Resilienz-Kommunikation und Krisenfunk politisch entschieden wird, werden die Communities, die heute Verschlüsselung theoretisch durchgearbeitet haben, am Tisch sitzen. Die anderen werden über Field-Day-Erinnerungen reden.
5. Warum das mehr ist als Geschmackssache
Frequenzbereiche sind politisches Terrain. Telekoms, Industrie und Regulierungsbehörden schauen permanent auf Spektrum, das ungenutzt wirkt. Eine Funkszene ohne sichtbaren Nachwuchs ist eine Szene mit kleinem Lobbyverband. Wenn in zehn Jahren die Lizenzhalter:innen im Schnitt sechzig sind, werden die Argumente, warum das 70-cm-Band oder das 23-cm-Band weiterhin Amateurfunk gehört, dünner. Das ist keine Spekulation, das ist Branchenmechanik.
Gleichzeitig spielt sich genau jetzt in der Maker- und Security-Szene das ab, was eigentlich dem Funk gehören würde. Mesh-Netze, Off-Grid-Kommunikation, RF-Security, drahtlose Penetration Tests — das sind die Felder, auf denen Funk wieder gesellschaftlich relevant ist. Wenn die organisierte Szene diese Themen nicht für sich reklamiert, werden sie ohne sie weitergetrieben. Mit Hardware, die ihre Wurzeln im Amateurfunk hat, gebaut von Leuten, die nie eine Funklizenz lösen werden, weil ihnen niemand ein gutes Argument geliefert hat, warum sie das tun sollten.
6. Was es bräuchte
Es bräuchte zuallererst Magazine — Print oder digital, egal — die schreiben, als sei 2026 und nicht 1998. Mit Storytelling, mit Bildwelt, mit narrativem Bogen. Die nicht nur QSO-Tagebücher und Bauanleitungen abdrucken, sondern die Brücke zur Welt drumherum aufzeigen: warum dieses Spektrum jetzt politisch zählt, was Meshtastic mit klassischem Packet Radio zu tun hat, wie ein RTL-SDR-Setup das Verständnis für Wireless Security verändert, was an einem HackRF im Keller eines Wiener Hackers anders ist als an einem HackRF im Keller eines Lizenzhalters.
Vor allem aber bräuchte es eine ernsthafte Social-Media-Strategie, die diesen Namen verdient. Die organisierte Funkszene ist auf den Plattformen, auf denen junge Menschen heute leben, faktisch nicht existent — und das ist kein Detail, das ist das Hauptproblem. Lediglich auf Youtube gibt es ein paar —mit Verlaub —staubtrockene Kandidaten, deren Stylefaktor man vergeblich sucht.
- TikTok und Instagram Reels — kurze Erklärclips zu „Was siehst du gerade auf der Wasserfallanzeige?", „Wie höre ich die ISS mit einer 30-Euro-Antenne?", „Was passiert, wenn ich diesen Garagentor-Funkstecker mit einem HackRF aufzeichne?". Format ist 30 bis 90 Sekunden, vertikal, untertitelt. Das produziert ein 25-Jähriger an einem Nachmittag. Aber niemand tut es im Namen der etablierten Verbände.
- YouTube Long-Form — Werkstattvideos, Setup-Tutorials, Hands-on-Erklärungen. Nicht VHS-Optik aus dem OV-Stammtisch, sondern in der Bildsprache, die Hackaday, Linus Tech Tips oder Veritasium, oder noch besser NetworkChuck etabliert haben.
- Twitch- und Live-Streams aus dem Shack — während Contesten, Field Days, einer DXpedition. Mit Chat, mit Erklärungen für Zuseher:innen ohne Lizenz, mit dem Gefühl, dass dort gerade etwas Lebendiges passiert.
- Discord-Communities mit aktiver Moderation, Channels für SDR-Hacking, RF-OSINT, Antennenbau für unter 50 Euro, Crossover zu Cybersecurity und Maker-Szene.
- Mastodon und Bluesky — die Plattformen, auf denen die technisch interessierte, privacy-sensitive Zielgruppe gerade andockt. Genau die Leute, die das Hobby ansprechen sollte.
- Podcasts in der Form, in der heute Podcasts gehört werden — gut produziertes Interview-Format, mit Gästen aus Maker-, Security- und Funkszene gemeinsam.
Nicht „ja, machen wir auch ein bisschen". Sondern als zentralen Verbreitungskanal, neben oder vor dem Print-Magazin. Und vor allem: weg von Telegram als Standard-Kommunikationsraum der Szene. Wer den eigenen Nachwuchs auf TikTok, YouTube und Discord adressieren will, kann sich seine interne Hauskommunikation nicht in einem Kanalgeflecht leisten, das mit Quellentransparenz nichts mehr zu tun hat.
Und es bräuchte den Mut, die Crossover-Themen offensiv anzunehmen. Kooperationen mit der Pentest- und Hardware-Hacking-Szene, mit Maker-Spaces, mit der Privacy-Community. Vorträge auf Security-Konferenzen über das, was Funkamateur:innen seit Jahrzehnten machen — Antennen, Modulation, Schichtenmodelle. Und umgekehrt Vorträge auf Hamfests darüber, was die Security-Welt mit RF macht, wo die rechtlichen Linien laufen, was an einem Wifi Pineapple, einem Flipper Zero oder einer Sophia-Scanner-Konfiguration für Funkamateur:innen interessant ist. Beides geschieht heute punktuell durch Einzelpersonen. Es müsste systematisch werden.
Nichts davon ist eine Frage des Budgets. Es ist eine Frage der Haltung — und der Bereitschaft, das eigene Gatekeeping abzulegen.
7. Schluss
Ich sage das aus einer Position, die mich nicht zum Außenseiter macht. Ich bin Funkamateur. Ich habe ein Rufzeichen, Klasse 1, ich beschäftige mich sehr viel mit SIGINT, SDR-Hacking, Meshtastic und allem, was zwischen Antenne und IP-Stack passiert. Und gerade weil ich in beiden Welten zuhause bin — der klassischen Funkwelt und der modernen RF-Security-Welt — sehe ich, was die Funkszene hier verschläft.
Funk hat den Moment. Die nächsten fünf Jahre entscheiden, ob die Szene ihn nutzt oder verschenkt. Wenn sie ihn verschenkt, wird das Hobby weiterleben — als Nische, als Erinnerungsverein, als technisches Reservat für Menschen mit grauem Bart und genug Zeit. Wenn sie ihn nutzt, kann Amateurfunk das werden, was er einmal war: ein experimentelles, selbstbestimmtes, technisch hungriges Feld, in dem die nächste Generation ihre Werkzeuge findet — und nicht parallel daneben in einer anderen Szene aufbaut, was im Funk seit hundert Jahren Hausaufgabe ist.
Ich würde mir das wünschen. Aus rein eigennützigen Gründen. Es wäre ein guter Ort, um älter zu werden.
Siehe auch Artikel:
Amateurfunk-Cybersecurity - Was die zwei Welten verbindet.
Referenzen / Quellen zur Recherche
- N0SSC, "Millennials Are Killing Ham Radio": https://n0ssc.com/posts/583-millennials-are-killing-ham-radio
- K0NR, "Is the Internet Destroying Amateur Radio?": https://www.k0nr.com/wordpress/2017/11/internet-destroying-amateur-radio/
- Meshtastic Project: https://meshtastic.org
- HackRF One Hardware: https://greatscottgadgets.com/hackrf
- RTL-SDR Blog: https://www.rtl-sdr.com
- SDRplay Empfänger: https://www.sdrplay.com
- Aaronia Spectran (Sophia / Spektrumanalysator): https://aaronia.com
- Søphia CIVOPS: https://detecxceo.gumroad.com/l/qospds
- media.ccc.de — SIGINT, SDR, RF-Hacking Vorträge
- AREDN Mesh: https://www.arednmesh.org
- ÖVSV (Österreichischer Versuchssenderverband): https://oevsv.at/home/
- DARC (Deutscher Amateur-Radio-Club): https://www.darc.de/home/